• Lena

Wie ich mich als Floral Designer selbständig gemacht habe

Wie ihr vielleicht wisst, hat alles bei Wild Daisy Wedding mit Blumen begonnen. Als ich 2015 das erste Mal eine Hochzeit von Freunden besuchte, war es um mich geschehen, das sage ich euch! Mich packte eine unglaubliche Faszination und Hingabe für das Thema Hochzeit... und ja ich weiß das klingt wie ein absolutes Mädchen-Klischee und auch ich habe am eigenen Leib erfahren, dass Hochzeiten nicht glamourös und schillernd sind wie man sich sie vorstellt - zumindest nicht als Dienstleister in Hintergrund. ;-)


Als ich dann selbst auf einem JGA an einem Flowercrown Workshop teilnahm, war für mich klar: ich muss das machen, ich bin gut und ich liebe es! Viele Wochen und Monaten, Workshops und Fortbildungen bei Floristen später, gründete ich schließlich 2017 Wild Daisy Wedding. Zunächst startete ich mit einer kleinen Bridal Flower Boutique nebenberuflich, als diese jedoch schnell wuchs und mir wirklich jede freie Minute abverlangte, wagte ich schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit und erinnerte mich immer wieder woran ich ganz fest glaube: 

"If you can dream it, you can do it!“.



Und da ich oft Fragen, insbesondere auf Instagram, bekomme, die meine Arbeit mit Blumen und meinen persönclihenWerdegang betreffen, dachte ich beantworte ich sie hier mal etwas ausführlicher für alle, die etwas mehr erfahren wollen! Ich hoffe diese (wirklich sehr ehrlichen Antworten) helfen euch und inspirieren euch vielleicht mit euren eigenen Zielen und Träumen!


"Wie bist du dazu gekommen, dich mit Floral Design selbstständig zu machen?"

Ich hab wirklich als Kind schon gerne Dinge selber gemacht, gebastelt, gebacken und und und ... und ich habe auch immer absolut Partys geliebt! So blöd das klingt, aber wann immer es möglich war, eine Feier zu feiern, habe ich es getan und tue es immer noch! Ich liebe es Gastgeber zu sein und Details sind für mich das absolut Größte! Mein Mann sagt oft "ach komm egal, das fällt doch eh niemandem auf" .. und GENAU das ist mir wichtig, weil diese Details, die niemandem auffallen, am Ende das Gesamtbild zu dem machen, was es ist. Für mich geht es einfach darum, Menschen zusammenzubringen, die Zeit zusammen zu genießen und die Atmosphäre, in dem sie sich befinden. Das macht mich so glücklich und das ist mir unglaublich wichtig, auch schon mit 10 Jahren (meine Geburtstagspartys waren legendary mit 10!). Meine Dekorationen bestanden damals zwar aus farbigen Papierketten, aber ich fand sie einfach fabelhaft!


Als Teenager wollte ich unbedingt einen kreativen Job machen, von Regisseurin bis Hochzeitsplanerin war alles dabei (natürlich dachte ich damals, wie die meisten Menschen, es sei alles hübsch und glamourös ... das ist definitiv nicht der Fall..) - Nach dem Schulabschluss packte mich dann aber die harte Realität und ich studierte Wirtschaftspsychologie um meine Eltern vor einem Herzinfarkt zu bewahren und erstmal etwas "Ordentliches" zu machen. Ich hatte die Idee irgendwie aufgegeben.. aber wisst ihr was mich damals schon mit all diesen Dingen verbunden gehalten hat? Pinterest! Und anfangs noch Tumblr! Ich glaube, ich war einer der jüngsten Benutzer da und habe immer alle Dekoideen, Fotoshootings und alle Feste schon damals gepinnt.


Nach dem Studium fing ich an, in einem Kosmetikkonzern zu arbeiten (und hatte an sich auch eine unglaublich tolle Zeit da). Allerdings fing ich an, viele Dinge in meinem Leben in Frage zu stellen. Ich arbeitete viel und hart, aber hatte nicht das Gefühl, in die richtige Richtung zu arbeiten, wo war eigentlich das kleine 10 Jährige Ich, das Kreativität über alles liebte? Ich hatte eine Konzern-Krise, auch weil ich wusste, dass ich große Dinge in diesem Leben machen und erreichen möchte, aber nicht wusste, ob ich diese "Karriere" die ich in meiner Konzernlaufbahn anstrebte, überhaupt haben will.


Es war fast 6 Jahre später, als ich auf einem JGA einer lieben Freundin war und wir Blumenkränze gemacht haben - da war es um mich geschehen!! In dieser Zeit, war ich mit meinem jetzigen Mann schon einige Zeit zusammen und er war es am Ende, der mich ermutigt hat, meinen eigenen Weg zu gehen. Er ermutigte mich wirklich so unglaublich... als ich ihm sagte, dass ich mich für Floristik interessiere, war er die Person, die mich sofort damit ernst genommen hat und es als "richtige Karriere" behandelte und nicht nur als Hobby und verrückte Idee. Durch seine Ermutigung, gemischt mit meiner lebenslangen Leidenschaft für diese Dinge, baute ich mir Wild Daisy Wedding auf. Angefangen mit Workshops für Blumenkränze, dann fing ich an Deko und Blumen für Hochzeiten zu gestalten und eröffnete schließlich einen kleinen Laden in Düsseldorf, während ich Vollzeit im Marketing bei dem Kosmetikkonzern gearbeitet habe. Aber hey, ich glaube es war die richtige Entscheidung ;-)


"Wie bist du zu dem Style gekommen, den du heute machst und der dein Markenzeichen ist?"

Üben, üben, üben! Ehrlich gesagt glaube ich, dass es nur darauf ankommt und vielleicht noch ein bisschen Gefühl für die Sache. Ich habe so viel Geld und Zeit in den Einkauf von Blumen gesteckt, arrangiert, auseinandergerissen, neu arrangiert, herumgespielt, gestylt, fotografiert und das immer wieder gemacht. Ich habe wirklich hunderte von Euro für Blumen ausgeben und zu Hause geübt und Fotos für meine Website, mein Portfolio und Instagram gemacht. Ganz am Anfang, bevor ich auch nur eine Hochzeit ausgestattet hatte, habe ich mir die Blumenkränze einfach selbst aufgesetzt und bin in ein weißes Kleid geschlüpft - tadaa fertig war mein Brautbild. Und es hat funktioniert! Ich habe auch investiert, um an anderen Workshops teilzunehmen, mich in Floristik weiterzubilden, um so von so vielen talentierten Menschen zu lernen. Und dabei sage ich überhaupt nicht, dass ihr Geld ausgeben müsst, aber ich denke, man muss alle Ressourcen nutzen, die sich einem ergeben.


Was ich dabei noch sagen möchte: ich finde es so schade, dass man den Beruf als Florist nicht in Teilzeit machen kann (zumindest hier nicht). Ich hätte so gerne noch eine ganze Ausbildung gemacht, einfach weil es mich so interessiert!! Aber für zwei Jahre in einen Betrieb zu gehen und den Ausbildungslohn eines Floristen zu verdienen konnte ich mir schlichtweg nicht mehr leisten, das hätte ich direkt nach dem Abi machen müssen, als ich noch Zuhause gelebt habe. Aber ja.. zurück zur Frage: ich glaube, man muss viel ausprobieren, sich vielleicht auch Sachen abgucken, um dann etwas eigenes daraus zu machen. Und vor allem: du lernst nie aus! Ich verändere und verbessere mich jeden Tag und das ist auch gut so, es ist eben ein ewiger Prozess!


"Gibt es etwas, das dich an dem Job stört?"

Es ist so schade, dass in Deutschland viele (unabhängig ob es Blumen, ein Haarschnitt oder sonst ein Handwerk ist) das Handwerk nicht wertschätzen können. Hauptsache es ist günstig und wenn ein Blumenstrauß 90€ kostet denken alle direkt: WOW ist das teuer, das sind doch nur Blumen im Wert von 83,80€ drin... ABER die Zeit, die drin steckt wird oft nicht gesehen: wenn man morgens um 5 auf den Großmarkt fährt in Eiseskälte, um Blumen auszusuchen, die dann stundenlang vorbereitet, um dann jede Blume vorzubereiten, bevor sie verarbeitet wird und dann noch in Handarbeit jede Blume übereinander legt, bis ein wunderschönes Bouquet entsteht.. ihr versteht was ich meine? ;-) Gerade in der Hochzeitsbranche wird verständlicher weise, viel auf den Preis geschaut, weil einfach ALLES kostet.. ich weiß das ich habe selbst geheiratet.


Wir sind glücklicherweise mittlerweile in der Position, dass wir uns einen Namen und einen Style erarbeitet haben. Man weiß was einen erwartet, wenn man seine Hochzeit in unsere Hände legt. Deshalb sind diese Diskussionen mittlerweile nicht mehr allgegenwärtig. Am Anfang war das aber echt hart. Und hier einfach nochmal der Appell an alle da draußen: Geiz ist nicht geil, schätzt jedes Handwerk und die große Arbeit, die die Person dort reingesteckt hat! :-)


"Wie bist du zu dem Namen WILD DAISY gekommen?"

Während ich noch studiert habe, habe ich eigentlich schon WILD DAISY gegründet - zumindest den Namen ausgewählt, eine Instagram Seite erstellt, mit Website und allem. Damals war WILD DAISY allerdings noch ein Online Shop für Mode von Modedesign-Studenten, eine Art Plattform für junge Künstler. Als ich dann jedoch anfing richtig zu arbeiten, hatte ich keine Zeit mehr und WILD DAISY lief einfach nur so still vor sich hin. Den Namen habe ich mir überlegt, weil ich damals von Marc Jacobs das Parfum "Daisy" (das mit dem Gänseblümchen Deckel) so toll fand und als ich in der Badewanne lag und über einen Namen nachdachte, sprang mich das Parfum quasi an. Nur Daisy fand ich aber blöd, mein Boho Herz wollte etwas wildes hinzufügen und so war WILD DAISY geboren. Lustig, dass es heute so unglaublich gut zu beiden Marken und dem Konzept passt - wer hätte das damals gedacht!! Es soll eben alles sein, alles hat einen bestimmten Grund.. das glaube ich zumindest ganz fest.


"Ich möchte mich so gern selbständig machen, weiß aber nicht wie ich anfangen soll. Wie schätzt du z.B. Style Shoots ein? Und was sollte man am Anfang beachten?"

Ich habe in den letzten drei Jahren so unglaublich viele Style Shoots gemacht.. Ich habe Restaurants, Locations, Dienstleister angeschrieben, um so viele Möglichkeiten zu erhalten und so viele Kontakte zu knüpfen, wie ich nur konnte. Ich habe SO VIELE kostenlose Blumen für Events, Fotoshootings usw. angeboten. Ich war am Anfang einfach super begeistert, dass ich in mein neuen Geschäft "investieren" wollte. Ich habe immer mein eigenes Geld für diese Blumen ausgegeben und einfach wahnsinnig viel meiner Zeit investiert. Ein kleiner Teil dieser "Investitionen" hat sich wirklich ausgezahlt, aber manchmal hab ich mich wirklich ausgenutzt gefühlt, oder es führte absolut ins Nichts und war umsonst.


Aber, und das muss ich auch sagen, ich bin wirklich gewachsen und habe in dieser Zeit sehr viel gelernt. Meine Antwort ist deshalb etwas unbefriedigend, weil es ja und nein ist. Ich finde Style Shoots nach wie vor toll, wenn man gemeinsam tolle Ideen verwirklicht. Aber ich würde definitiv nicht alles, was ich getan habe, weiterempfehlen. Bzw. es hängt wirklich davon ab, auf welchem ​​Weg du dich befindest und was du langfristig machen möchtest. Denn was viele einfach bei den Style Shoots vergessen: natürlich steckt jeder Dienstleister enorm viel Arbeit rein .. aber am Ende sind Blumen einfach wahnsinnig teuer und neben der Arbeit die natürlich jeder umsonst reinsteckt, zahlst du als Flower Designer noch eine ganze Menge Geld rein. Und da solltest du für dich genau entscheiden, wann du das machst.


Ich würde also nie sagen, dass sich selbstständig machen und dieser Übergang in irgendeiner Form einfach war ... lange Zeit, ehrlich gesagt, war ich kurz davor alles hinzuschmeißen! Man hat noch keinerlei Reserven aufgebaut, es ist unglaublich bürokratisch und man hat wirklich wahnsinnige Angst, dass niemand einen bucht. Ich verbrachte meine komplette Zeit damit, meine Marke und mein Geschäft aufzubauen (damals noch alleine, bevor Denise und ich uns zusammen getan haben und gemeinsam den Wild Daisy Shop gegründet und aufgebaut haben), wirklich jede freie Minute und habe jeden Tag 14 Stunden gearbeitet. Nach etwa einem Jahr hatte ich das Gefühl, dass es mir langsam bergauf geht und ich mich sicherer fühlte. Aber auch da hatte ich manchmal noch Zeiten, in denen ich alles in Frage gestellt habe!


Eines der Dinge, die ich in den anfänglichen Jahren über mich selbst gelernt habe, ist, dass ich es wirklich sehr liebe, Dinge selbst zu erschaffen, zu gestalten, zu teilen und zu inspirieren. Es ist über drei Jahre her, seit meinem ersten Workshop und der ersten Hochzeit. Ich habe hart gearbeitet (auch wenn es von außen oft alles easy aussieht), gelacht, geweint um am Ende hier zu sitzen und alles Revue passieren zu lassen und ich denke: ich würde mich IMMER WIEDER genau für diesen Weg entscheiden und bin unendlich dankbar für dieses wunderbare Geschenk, das mir das Leben beschert hat!! Weil ich jeden Tag meinen Traum leben kann und wunderbaren Menschen damit eine Freude mache!!


♡ eure Lena