• Lena

Das eigene Hamsterrad: Bist du busy oder produktiv?

Kennst du das Gefühl, wenn dir plötzlich alles über den Kopf wächst und du einfach unglaublich busy bist? Du von einem Termin zum anderen rennst, mit deinem Laptop unter dem Arm und wenn dich jemand fragt, wie es läuft, hauchst du nur ein "Ist echt viel los gerade, aber es macht richtig Bock!" entgegen? Vielleicht nicht der exakte Wortlaut, aber wahrscheinlich wisst ihr wovon ich spreche. Und steckt vielleicht auch ein Fünkchen Wahrheit darin, wenn ich euch unterstelle, dass ihr dieses Gefühl gar nicht schlecht findet? ;-)


Als ich noch im Konzern gearbeitet habe, habe ich oft meine Vorgesetzten gesehen und mir vorgestellt, was wohl in ihnen vor sich geht. Wenn das Team hin und her huscht (wozu ich natürlich ebenfalls gehörte) und noch am letzten Wording für die Präsentation feilt, während sie auf 12 cm Absätzen den Flur entlang liefen, - und ja es gab auch einige die tatsächlich rannten... aber das ist glaub ich nochmal ein eigener Blogpost für sich - die Brille zurecht rückten, oder die Haare richteten und mit einem kurzen und gestressten Seufzer an ihren hochfahrbaren Schreibtisch zurück gingen, um dann bis 20 Uhr die 547 E-Mails von heute im Posteingang zu checken. Aber trotzdem liebten sie alle diesen Job, oder vielleicht auch einfach genau dieses Gefühl. Ich allerdings stellte mir die Frage, wie lange man so einen Job machen kann, bevor er einen verschlingt, wäre ich jemals so stressresistent wie sie? Und wieso macht es ihnen offensichtlich Spaß nie Zeit zu haben, immer unter Druck zu stehen und erfüllt das jemanden wirklich?

Zugegeben, die voran gegangenen Worte mögen etwas provokant klingen.

Und wenn ich mal ganz ehrlich bin, dann ist es egal ob es der Job im Konzern ist, im Start-Up oder die Selbständigkeit. Das was meine Vorgesetzen damals erlebt haben ist das exakt Gleiche, das wir und ich ebenfalls erleben. Ich bin genauso wie meine ehemaligen Vorgesetzten mit den 12 cm High-Heels, nur dass ich heute Sneaker trage.


Wir mögen es viel zu tun zu haben... zu viel zu tun zu haben.

Wir sind eine Arbeitergesellschaft, Workaholics und wir leben in einer Zeit in der unsere Gesellschaft schlaflose Nächte verherrlicht und Bücher wie "The 5 Am Club" (die sagen, dass du um 5 Uhr aufstehen musst, wenn du erfolgreich sein willst überspitzt gesagt) gefeiert werden. Ich habe mir "#Girlboss" reingezogen und dachte mir wow: wenn du Erfolg haben möchtest, dann musst du richtig ackern. Du darfst nie nachlassen, du musst alles sofort erledigen, es gibt so viel zu tun... direkt gefolgt von einem: Oh je, wie soll ich das alles schaffen. Ich kann das nicht, ich brauche mehr Zeit.


Bevor Denise und ich Partnerinnen mit Wild Daisy wurden stand ich kurz vor nem Mental-Breakdown, zu viel Druck, zu viel Stress, zu viel Verantwortung. Und alles war zu 100% selbstgemacht! Ich habe einen ganzen Sommer in der Hochzeits-Hochsaison mit Wild Daisy Wedding durchgearbeitet, jeden Tag, niemals eine Pause, keinen Urlaub, immer allein, über Monate hinweg. Es war mein erstes Jahr, in dem ich mich selbständig gemacht hatte, heißt zu all dem Druck den man sich eh schon macht, kommt die Angst vor dem Versagen, das finanzielle Risiko und auch der Wunsch es den Leuten zu zeigen, die nicht an eine geglaubt haben, als man den Job gekündigt hat. Das Opfern von Beziehungen für die Arbeit, egal ob es um den Partner oder einfach die Freunde geht war plötzlich normal und ich hab mich komplett in meiner Arbeit verkrochen. All just for hustling!


Ich hatte das Gefühl ich hab die Kontrolle verloren, meinen Hunger und sogar meine Freude an der Arbeit. Und ich hab mich deshalb so schuldig gefühlt!

Schuldig über meine Rolle als Workaholic, ich habe immer hart gearbeitet und es geliebt! Ich wurde alle zwei Monate krank, hab nicht mehr geschlafen und meine Haare sind mir ausgefallen. Ich habe mich immer wieder zurück gelotst und mir gesagt: ich tue das um meinen Träumen zu folgen! Ich will das! Deshalb ist es ok und gleichermaßen nicht ok sich hängen zu lassen! Weil nämlich eine Balance zwischen: "Ich verwirkliche mich, ich werde allem gerecht, ich schaffe meine Arbeit, ich nehme mir Zeit für mich, ich nehme mir Zeit für andere" eine unglaublich große Arbeit an sich darstellt. Und wisst ihr was das Problem ist? Es ist schlichtweg "einfacher" immer busy zu sein! Du musst dir keine Sorgen drum machen, dass man denken könnte du wärst faul, oder hättest deine Arbeit nicht im Griff. Oder dass du mega unsozial wärst und dich total abkapselst. Wenn wir die Arbeit vorziehen, ist es ein einfacher Weg für uns keinen negativen Konfrontationen zu begegnen. Und damit meine ich nicht mal nur Konfrontationen mit den Menschen um einen herum, eigentlich haben mich alle verstanden und mich unglaublich unterstützt. Aber vor allem meine ich Konfrontationen mit einem selbst: ich habe es mir nicht erlaubt durchzuatmen. Ich mochte es, dass mich meine Freunde als Workaholic sahen und ich hätte wahrscheinlich niemals zugegeben, dass ich total fertig war... weil ich es mir ja ausgesucht hatte. Ich hab mich bewusst für diese Arbeit und dieses Leben entschieden.


Diese Einstellung hat sich bei mir grundlegend geändert. Und ich sage euch: DAS TAT SO GUT! Ich kann gar nicht genau sagen warum, ob es daran liegt, dass das Thema "Selflove" präsenter ist denn je, ob der Wendepunkt kam, als ich auf einmal einen kleinen Welpen hatte, um den ich muss ebenfalls kümmern musste, oder ob es schlichtweg daran liegt, dass Denise und ich uns die Last auf unseren Schultern teilen. Ich habe mich zurück genommen und meine 40% gefunden - meine 40% die in die restlichen 60% resultieren. Aber wenn du immer nur busy bist, dann ist es schwierig die 40% zu erkennen, um die es eigentlich geht.

Ich hasse es früh aufzustehen (5 Am Club adé) und ich stresse mich nicht ab, um möglichst früh im Office zu sein wenn ich nicht muss.

Ich würde ich es gern, aber das stresst mich hart und es macht mich überhaupt nicht glücklich. ;-) Ich habe erkannt, dass wenn ich glücklich bei der Arbeit bin - indem was ich tue, das Gefühl habe einen Mehrwert zu schaffen, für mich und die Gesellschaft - das macht mich gleichermaßen glücklich, wenn ich zuhause bin. Und zeitgleich, wenn ich glücklich Zuhause bin, macht es mich insgesamt glücklich, zu einer besseren Kollegin, einer besseren Vorgesetzten für unsere eigenen Mitarbeiter heute. Es ist völlig ok, wenn du dich ausgebrannt, ausgepowert, oder einfach verwirrt fühlst! Halte bei dem Streben nach deinen Zielen und Träumen, einfach mal kurz inne und höre für den Moment auf deinen Träumen zu folgen. Für einen kurzen Moment! Ich sage dir, wenn du dir Pausen gönnst, wenn du ausgelastet bist in einem Tempo und einer Struktur die dir entspricht, wenn du deine Freunde siehst und dir Zeit nimmst für dich und deinen Partner, dann befreist du deinen Kopf, deinen Geist und bist besser in deinem Job.

Sei nicht stolz darauf immer nur zu arbeiten, das bedeutet, dass du dich, deinen Körper und einen Geist ans Limit pushst und ich habe am eigenen Leib erfahren wie ungesund das sein kann.

Und gleichermaßen gilt auch, dass jeder anders ist (wie gesagt, ich wünschte ich hätte z.B. so viel Motivation wie Denise morgens laufen zu gehen haha). Nicht jeder ist ein Morgen-Mensch, du musst deine eigene Messlatte hoch setzen, das kann niemand anderes für dich tun. Ob du nun von 5 bis 12 unglaublich produktiv bist, oder von 12 bis 19 Uhr. Es geht darum deinen Rhythmus zu finden, selbstbestimmt zu sein und vor allem auch sich selbständig zu machen, um sein Leben und seinen Alltag nach den eigenen Vorgaben zu gestalten. Deshalb: Befreie dich von deinem eigenen Hamsterrad! Du musst nicht alles sofort erledigen, klapp den Laptop einfach mal zu, gönn dir Pausen, pass auf dich auf, bestimme dich selbst - Denn es geht darum wie produktiv du bist, nicht wie busy du bist! Und je glücklicher du bist, desto produktiver kannst du sein! :-)